beziehungsprobleme

Beziehungsprobleme sind Hilferufe – Warum sich Paare oft so schwer tun

„Wenn ich mir keine Mühe gebe, Markus immer wieder neu zu sehen, bleibe ich in meinem alten Blick hängen. In unseren Beziehungsproblemen. In meinem alten Empfinden und Denken über ihn und über unsere Beziehung. Und was mit diesem Mann nun mal nicht möglich ist.“

Maren machte eine Pause.
Alle Blicke im Seminarraum waren auf sie gerichtet.

„Wenn ich in dieses alte Denken falle“, fuhr sie nach einigen Atemzügen fort, „dann ist ganz schnell nur noch Resignation in mir. Komplette Ausweglosigkeit. So IST es dann, DAS ist dann die Wahrheit, versteht ihr? Damit wische ich aber all die innere Arbeit einfach so vom Tisch, die wir zusammen gemacht haben in den letzten Jahren. Und jeder für sich. Das will ich nicht. Ich muss mir Mühe geben. Genauso wie ER sich Mühe geben muss.“

Ja, wir müssen uns Mühe geben in Liebesdingen.

Wir müssen der Liebe Zeit und Aufmerksamkeit schenken – wenn wir nicht nur älter, sondern auch reifer werden wollen.

Das Leben will, dass wir qualitativ wachsen und reifen.

Und deshalb fordert unser persönlicher Weg irgendwann eine neue Art von Klarheit von uns ein.

Wenn es gut läuft, dann haben Sie beruflich und familiär in Richtung Lebensmitte eine bestimmte Qualität erreicht. Sie haben ein Fundament geschaffen – was für eine Leistung!

Und nun?
Jetzt steht der nächste Schritt an:

Jetzt geht es darum, neu und noch präziser als bisher hinzuschauen auf uns selbst und auf unsere Beziehungen.

Wir müssen uns verstärkt um das kümmern, was uns im Kern wichtig ist.
Wie Maren und Markus.

Nur: Wer will das schon?
Wer will schon gerne präziser hinschauen?

Unbewusst wissen und fürchten wir, dass dieses Hinschauen Veränderung bedeuten könnte.

Es läuft doch alles.
Ist doch viel bequemer, alles so zu lassen wie es ist.

Oh ja, bequemer ist das.

Allzu gerne wollen wir es dabei belassen, wäre da nicht diese merkwürdige Unzufriedenheit.

Dieser leichte bis mittelschwere Groll. Diese Gereiztheit. Dieser Ärger…

Für Paare wird es jetzt brenzlig.

Paare, die schon ein gutes Stück Weg miteinander zurückgelegt und so manches Beziehungsproblem gemeistert haben, diese Paare müssen jetzt besonders wach sein.

Deswegen wird es jetzt brenzlig:

Es lässt sich nicht mehr leugnen.
Für beide Partner wird sichtbarer und fühlbarer, was sich da mit der Zeit an Unzufriedenheit, Gereiztheit und Ärger im Geäst verfangen hat.

Einfach deshalb, weil Beziehungen wie frisch geputzte Spiegel sind.

Früher oder später spült eine Paarbeziehung alle Emotionen an die Oberfläche.

Es macht uns was aus, dass sich die Gespräche mit dem Partner schon länger hauptsächlich um Organisatorisches drehen. Um die Firma, ob die Kinder dies oder jenes tun oder lassen sollen, um Kollegen, Freunde, Bekannte.

Alles wichtige Themen – nur geht es nicht mehr um die Verbindung selbst.

Es geht schon lange nicht mehr um Liebe und Gefährtenschaft und miteinander übereinander reden.

In diese Falle gehen wir alle, inklusive ich selbst.
Und Ausnahmen bestätigen die Regel.

Der Preis, den wir zahlen müssen:

Die Unterlassung wird zur Zerreißprobe für die Partnerschaft.

Aber wir können gegensteuern.

Indem wir uns darüber klar werden,

  • dass wir unsere LiebesFÄHIGKEIT trainieren können
  • dass wir diesem Training einen festen Platz in unserem Kalender einräumen müssen
  • dass wir unsere Bedürfnisse kennen (lernen) und ernst nehmen und
  • dass wir uns immer wieder an das hier erinnern:

Nicht unser Liebespartner ist dafür zuständig, unsere Bedürfnisse zu erfüllen!

Das ist herausfordernd, es berührt unsere geistigen Konzepte in Sachen Liebe, Partnerschaft, Romantik.

Häufig erwarten wir unbewusst, dass eine Liebesbeziehung unsere tiefsten Sehnsüchte und Träume erfüllen soll:

# Wir wollen glücklich sein.
# Wir wollen uns geliebt, geborgen, anerkannt und wertgeschätzt fühlen.
# Wenn möglich auch ein bisschen bewundert.

Das ist natürlich in Ordnung.

Es jedoch in der Paarbeziehung erleben zu wollen, ist auf Dauer gesehen nicht nur illusorisch – es ist eine Überforderung unserer Liebsten.

Auch wenn die in unserer Kultur so tief verankerte Traumschiff-Romantik uns anderes weis machen will.

Es gibt in uns nicht nur die Sehnsucht, Liebe zu bekommen.

Mindestens genauso wichtig ist uns, selbst lieben zu dürfen.

Und nach Möglichkeit auch zu erfahren, dass unsere Liebe willkommen ist.

Umgekehrt bemerken wir unsere eigene Bereitschaft, uns lieben zu lassen und dass wir damit jemandem eines der größten Geschenke machen, das wir einem anderen Menschen machen können.

Geliebt werden ist großartig!

Liebe annehmen ist großartig – und ein großes Geschenk!

Wir haben guten Willen…

Ja, es gibt in uns ein Wissen um die eigene Liebenswürdigkeit und Liebesfähigkeit.
Und um die des Partners natürlich auch.

Da ist guter Wille.

Bei vielen Paaren zeigt er sich immer wieder in der Bereitschaft, in schwierigen Beziehungsphasen das Ruder herumzureißen, manchmal sogar noch einmal von vorn anzufangen.

Warum gelingt das so häufig nicht?

Weil jede Beziehung eine eigene Identität entwickelt mit der Zeit.

Jede Verbindung ist von einer ganz bestimmten Art, sie hat ihre eigene Kultur, im negativen wie im positiven Sinn.

Dasselbe gilt für jeden von uns als Einzelwesen:
Wir leben in einer ziemlich festgefügten Konstruktion, weil wir uns schon früh eine Identität zugelegt haben. Ein Gedankenkonstrukt, wie und wer wir sind und was uns ausmacht als Mensch.

Mit dem Älterwerden entsteht in uns eine neue Idee über uns selbst.
Diese neue Idee wird zur Bedrohung für die ursprüngliche Identität.

Veränderung steht an.

Dann rüttelt und schüttelt und zerrt die alte Identität an uns.
Niemand stirbt gerne, auch nicht unsere Identität.
Und eine gemeinsam gewebte Paar-Identität schon gar nicht.

Ein Beispiel aus der Praxis

Elisabeth und Helmut sind seit 18 Jahren verheiratet. Als sie sich kennen lernten, gab es etwas, das Sie „Verliebtheit“ nannten. Diese Verliebtheit ist über die Jahre versickert und die beiden haben unbemerkt ein Leben erschaffen, in dem Streit die vorherrschende Art ist sich zu begegnen.

Wenn das geschieht, wenn Streit das Wesen einer Beziehung ausmacht – die Identität dieser Beziehung ist -, dann können daraus haarsträubende Szenen entstehen.

Obwohl beide Partner etwas ganz anderes wollen und ersehnen. Schauen wir hin:

Es ist Freitag, 6:30 Uhr, Elisabeth steht in der Küche. Sie hat für ihren Mann Frühstück gemacht und ist einigermaßen gut gelaunt. Helmut war eine Viertelstunde nach ihr aufgestanden, kommt geduscht und rasiert in die Küche und sagt brummig: „Ist der Kaffee fertig?“ Das nervt Elisabeth, sie faucht: „Netter könntest du das wirklich nicht fragen.“ Helmut legt sofort nach: „Wohl wieder schlecht geschlafen?“ Das lässt Elisabeth kochen. „Du kannst mich mal!“, schreit sie und knallt die Küchentür hinter sich ins Schloss.

Was geschieht da?
Knallen da zwei Monster aufeinander?
Sind beide nur darauf aus, den anderen zu verletzen?
Wieso verhält sich ein Paar – von außen betrachtet – so zerstörerisch?

Systemisch betrachtet hat dieses Paar ein notwendiges Zeremoniell vollzogen – damit IHRE BEZIEHUNG überlebt!

Denn wenn sich beide anders verhielten, wenn sich ihr Miteinander ändern würde… dann wäre es im Erleben der beiden Beteiligten nicht mehr IHRE Beziehung.

Jedes System will so bleiben, wie es IST.

Systeme sind beharrlich.
Brächte Helmut seiner Frau zum Beispiel einfach mal so 20 rote Rosen mit nach Hause, dann würde er DIESE Beziehung bedrohen.

„Wie bitte? Was ist denn hier los? Hat der ein schlechtes Gewissen? Ist er fremdgegangen? Der spinnt wohl, das ist nicht mein Mann!“, könnte Elisabeth denken.

Liebe und Erfüllung können die beiden nur erleben, wenn sie ihr vertrautes Beziehungs-Zuhause verlassen. Wenn sie ihre bisherige, von Streit charakterisierte Beziehung gehen lassen.

Sterben lassen.

Dann kann die Verbindung der beiden in einer neuen Form, in einer neu zu entwickelnden Identität weiter gehen.

Sie muss nicht zwangsläufig zu Ende sein.
Aber sie KANN zu Ende sein.

Verständlicherweise haben wir davor in aller Regel eine Heidenangst – und machen in der Regel lieber so weiter wie bisher.

Die gute Nachricht: Es gibt einen Ausweg.

Freuen Sie sich über Beziehungsprobleme.

Nutzen Sie Beziehungsprobleme, um Ihr Paar-System zu transformieren.

Wer ein System verändern will, braucht Entschlossenheit, Klarheit und Langmut.

Sie müssen sich unabhängig machen vom Verhalten der anderen Beteiligten.

Es geht darum, Ihr Umfeld zu sensibilisieren für das, was Ihnen neu wichtig geworden ist.

Dieses Umfeld braucht dafür Zeit.
Ihr Partner wie auch andere Familienmitglieder, sie alle werden sich in der Regel zunächst beharrlich weiterhin so auf Sie beziehen wie bisher.

Denn nicht Ihr Umfeld hat sich verändert, Sie haben sich verändert.

Wenn Sie ein System verändern wollen, dann müssen Sie konsequent bei dem bleiben, was IHNEN am Herzen liegt – gegen Ärger, Abwehr und Widerstand.

Diese Reaktionen können sich mit der Zeit sogar verschärfen.

Weil sich das System selbst erhalten will – nicht weil Ihr Partner böswillig oder grausam ist.

Sie stehen vor einer großen Herausforderung.

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Wenn Sie mehr lesen wollen zu diesem Thema, schauen Sie sich mein Buch an:
„Ich liebe dich gerade – Erwachsen werden in Liebesdingen“.

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Vielen Dank!

2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Die persönliche „zugelegte“ Identität ist wie ein Programm, welches wir konsequent verfolgen. Es ist nicht unsere wahre Identität. Dieses Programm verfolgen wir selbstredend auch mit unserem Beziehungspartner. Hinter dem Programm steht ein Auftrag, den wir uns in der Kindheit ergriffen haben. Wenn wir den Auftrag erkennen, dann erkennen wir auch das Programm. Der Ausstieg aus diesem Programm geht über die Frage „wer bin ich“! Wer bin ich mit meinen wirklichen Kräften?! Ohne Programmausstieg ist eine Transformation der Partnerschaft nicht möglich.
    „Arbeiten“ an der Identität/dem Programm der Partnerschaft macht ohne persönlichen Programmausstieg keinen Sinn.

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